Willkommen in Düsseldorf! Als Französin, die es nach Deutschland verschlagen hat, hätte ich mir keine bessere Wahlheimat wünschen können: Hier kann ich meine lieb gewonnenen französischen Gewohnheiten beibehalten – die der Foodbloggerin, die jeden Tag kocht, genauso wie die der Genießerin, die am Wochenende gern essen geht.

City Guide Düsseldorf Géraldine

Schon die Kö(nigsallee), die gern mit den Pariser Champs-Élysées verglichen wird, gibt den Ton an. Und ich bin hier nicht allein: Nirgendwo in NRW leben so viele Französinnen und Franzosen wie in Düsseldorf. Die Verbindung hat Tradition. Unter Napoléon war Düsseldorf die Hauptstadt des Großherzogtums Berg. Heute sitzen hier rund 100 französische Unternehmen. Dazu kommen das Institut français, ein französisches Gymnasium (Lycée français) und das jährliche Frankreichfest. Und seit ich hier wohne, habe ich das Gefühl, dass gefühlt jeden zweiten Monat ein neues Bistro, eine neue französische Bäckerei oder eine neue Weinhandlung mit großer französischer Auswahl eröffnet wird. Das Schwierigste ist lediglich, sich zu entscheiden. 

Um es etwas einfacher zu machen, nehme ich dich gerne zu meinen Lieblingsadressen mit – los geht’s!

 

Schier am Carlsplatz – Obst und Gemüse direkt aus Frankreich

Auf dem Carlsplatz kommt man am Stand der Familie Schier mit seinem blau-weiß-roten Band und seiner zwanzig Meter langen Auslage nicht vorbei. Wenn man mich in Düsseldorf beim Einkaufen irgendwo antrifft, dann wahrscheinlich hier.

Hinter diesem Stand stecken über achtzig Jahre Familiengeschichte und deutsch-französische Geschichte. Der Großvater war Gemüsebauer in Kappes-Hamm und verkaufte seinen Wirsing und Weißkohl auf dem Markt. Im Zweiten Weltkrieg geriet er in Frankreich in Kriegsgefangenschaft und lernte dort die Französin Louise kennen. Einige Jahre später heirateten sie. Zurück in Düsseldorf brachte Louise ihre Liebe zu französischen Produkten mit, und die Familie begann, diese zu importieren. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Michel zusammen mit seiner Mutter und seiner Frau Roswitha das Geschäft. Heute führen seine Söhne Michel, André und Bastian den Stand weiter.

Jeden Mittwoch kommt die Lieferung direkt aus Frankreich. Wenn ich ein bestimmtes französisches Produkt brauche, komme ich hierher: Brunnenkresse für eine gute Kressesuppe, Tomaten im Sommer, französische Aprikosen und meine Lieblinge, die Reineclauden – diese kleinen grünen, zuckersüßen Pflaumen vom Spätsommer.

Carlspl., 40213 Düsseldorf (Altstadt)

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Bistro Erminig – eine echte bretonische Crêperie in der Altstadt

Als Französin kann ich dir sagen: In Düsseldorf können wir uns wirklich nicht beklagen. Es gibt in Frankreich so einige Städte, in denen du keine so guten Crêpes findest wie im Bistro Erminig, mitten in der Altstadt.

Dieses Glück verdanken wir Mathieu Delacourt. Und Achtung, es kann gut sein, dass er dir sagt: „Ich komme nicht aus Frankreich, ich komme aus der Bretagne.“ Er ist also ein echter Bretone. 

Das hier ist eine echte bretonische Crêperie, wie man sie aus Frankreich kennt. Herzhaft gibt es unter anderem berühmte galette complète (mit Ei, Schinken und Käse) sowie die Galette mit karamellisierten Zwiebeln. Süß gibt es Crêpes mit so ziemlich allem, was du dir vorstellen kannst. Das Mehl kommt direkt aus der Bretagne, genau wie der Cidre zur Begleitung. Und gekocht wird – natürlich – ausschließlich mit gesalzener Butter.

Crêpes und Galettes backt Mathieu schon lange: Zum 18. Geburtstag haben ihm seine Eltern eine eigene bilig geschenkt, die typische bretonische Crêpe-Platte. Danach hat er überall dort Crêpe-Abende veranstaltet, wo er gerade war: im Studium in Nantes, im Praktikum in Paris und dann in Düsseldorf. Später hat er noch eine Ausbildung zum Maître Crêpier gemacht. Dort hat er vor allem gelernt, an mehreren biligs gleichzeitig zu arbeiten und alles selbst zuzubereiten, vom Salzbutterkaramell über die Suzette-Sauce bis zu den karamellisierten Zwiebeln. Deshalb kommen die Crêpes hier – genau wie in Frankreich – nicht im Minutentakt: Alles wird von Hand gemacht, vom Teig bis zur Füllung.

Ich nehme hier meistens die galette complète mit karamellisierten Zwiebeln, und dazu eine bolée Cidre. Denn Cidre wird hier, traditionell wie in der Bretagne, in einer Schale anstatt eines Glases gereicht. Übrigens gibt es ihn hier auch alkoholfrei: Der hat nichts mit einer Apfelschorle zu tun, du schmeckst diesen etwas “bauernhofigen”, vergorenen Charakter eines echten Cidre.

Mutter-Ey-Straße 5, 40213 Düsseldorf (Altstadt)
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MA Saveur – französische Alltagsküche an großen Tischen

In der Sternstraße in Pempelfort gibt es ein Lokal mit großen Gemeinschaftstischen, einem Glas Wein und dem Gefühl, bei jemandem zu Hause eingeladen zu sein statt im Restaurant. Was Düsseldorf gefehlt hat, war ein gemütliches französisches Bistro mit echter Alltagsküche – einfach und großzügig. Bis zum Jahr 2026!

Marion Audonneau stammt aus der Region Charente-Maritime und lebt seit achtzehn Jahren in Deutschland. Catering und Events kennt sie bestens, das ist seit Jahren ihr Beruf, seit Ende 2024 als Selbstständige. Aber für die Feste anderer zu kochen ist eben nicht dasselbe wie ein eigenes Lokal. Mit Ma Saveur hat sie sich endlich getraut: abends ein Bistro fürs Viertel, tagsüber ein kleines Feinkostgeschäft und nebenbei läuft ihr Catering weiter.

© MA Saveur

In der Küche stehen zwei französische Köche und die Karte wechselt jeden Monat. Sie widmet sich jedes Mal einer anderen Region Frankreichs: dem Südwesten mit Cassoulet, dem Burgund mit Bœuf bourguignon und Œufs en meurette oder im November dem Périgord mit Entenmagen-Salat und gegrilltem Confit de Canard.

© MA Saveur

Vor allem aber lebt das MA Saveur von seinen Abenden. Als ich Marion zum ersten Mal getroffen habe, war das das Erste, was sie mir erzählt hat: Sie möchte, dass der Ort lebt, dass man ins Gespräch kommt und die Leute nach Hause gehen, als hätten sie den Abend unter Freunden verbracht. Deshalb organisiert sie regelmäßig Afterworks unter dem Motto „C’est l’apéro“. Eine Art französischer Brunch und thematische Weinproben – demnächst zum Beispiel Weine aus Savoyen zu Raclette oder Weine aus dem Languedoc. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat sie die Spiele gezeigt und die Stimmung war der Wahnsinn. „Ich war mir unsicher, ob ich die Spiele nur wenige Wochen nach der Eröffnung zeigen soll, aber es war meine beste Werbung. Wir waren völlig überrannt, die Apéro-Platten waren ruckzuck weg, aber die Stimmung war einfach wunderschön. Ich würde es jederzeit wieder machen!“, erzählt Marion Audonneau. So kann es doch hoffentlich nur weitergehen.

Sternstraße 68, 40479 Düsseldorf (Pempelfort)
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Fromagerie Armel Laas – seit über 25 Jahren die Käsetheke von Unterbilk

Die Lorettostraße in Unterbilk ist eine meiner Lieblingsstraßen zum Bummeln am Samstag und wenn du Düsseldorf noch nicht so gut kennst, musst du unbedingt mal dort vorbeischauen! Du wirst sehen: Am schönen Schaufenster der Fromagerie kommst du nicht vorbei.

Armel Laas führt seine Fromagerie in Unterbilk seit über 25 Jahren. Ein paar deutsche, italienische oder spanische Käse gibt es zwar auch, aber das Herzstück der Theke sind die französischen Sorten.

Bei jedem Besuch entdecke ich je nach Lieferung eine neue Sorte, aber die großen Klassiker findest du hier ganz sicher: Beaufort aus Savoyen, mehrere Comtés in verschiedenen Reifegraden und eine ganze Auswahl an Ziegenkäse, darunter den echten Sainte-Maure de Touraine AOP – den mit dem Strohhalm in der Mitte. Dazu gibt es ein paar französische Weine und ein kleines Feinkostsortiment, das alles abrundet.

Sobald ich ein Essen mit Freunden plane, schaue ich hier vorbei. Ich weiß, dass ich finde, was ich suche und vor allem nutze ich gerne die Gelegenheit, meinen Gästen ein oder zwei Käsesorten vorzustellen, die sie noch nicht kennen. 

Lorettostraße 43, 40219 Düsseldorf (Unterbilk)

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Chez Olivier – Weinbar und Épicerie mit Terrasse in Flingern

Chez Olivier ist nicht einfach nur eine Weinhandlung, sondern ein Ort mit ganz eigenem Ambiente. Schon der Ort ist einzigartig: Du betrittst ein kleines, fast schon antik eingerichtetes Geschäft, das sich ein bisschen anfühlt wie eine alte Apotheke, mit Holzregalen bis unter die Decke – nur dass hier Weinflaschen in den Regalen stehen.

Olivier Grosjean kommt aus Morteau in der Franche-Comté.Wein, und vor allem Naturwein, war lange seine Leidenschaft, bevor er zu seinem Beruf wurde. Seine Idee: etwas ausgefallene französische Weine anbieten, alle von biodynamisch arbeitenden Winzern. Man merkt übrigens, woher er kommt: Er hat immer ein paar Käse da, meist einen lange gereiften Comté und Mont d'Or, zwei Käse aus seiner Heimat.

Was ich am “Chez Olivier” aber am meisten mag, ist, dass man sich dort auch einfach auf ein Glas mit Freunden treffen kann. Nicht spät abends, eher zur Apéro-Zeit und seit diesem Sommer auch auf der kleinen Terrasse vor dem Laden. Olivier und sein Team beraten immer super und selbst als Französin mit einer Weiterbildung im Weinanbau mache ich dort immer wieder tolle Entdeckungen. 

Auch für Geschenke ist es eine gute Adresse: Das Feinkostregal steckt voller Produkte, die man sonst nirgends findet – zum Beispiel wunderbare Chutneys oder confit d’oignons und confit d’échalotes, die perfekt zu einer Käseplatte passen.

Und seit 2023 gibt es L’Atelier nebenan: Dort veranstaltet er Weinproben, meist begleitet von gougères – die kleinen Käsewindbeutel passen einfach wunderbar zum Wein.

Hermannstraße 24, 40233 Düsseldorf (Flingern-Nord)

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Rocaille – Pariser Pâtisserie und 2.400 Weine in Derendorf

Das “Rocaille” an einer ruhigen Straßenecke in Derendorf ist genau die Art von Adresse, die man sich für ein Abendessen mit Freunden merken sollte. Schon der Raum ist sehr gemütlich und einzigartig: Holztische, großflächige Kunstwerke an der Wand, gedämpftes Licht und eine Weinkarte, so dick, dass man sie zum Lesen fast auf die Knie legen möchte. Ein bisschen Pariser Bistro-Flair, nur etwas schicker.

Dahinter steckt Alexandra Wende. Nach vielen Jahren in der Unternehmenswelt wollte sie endlich mit ihren Händen arbeiten. Also machte sie sich 2012 auf, ihren Traum zu verwirklichen: in Paris leben und dort Pâtisserie sowie das Kochen lernen. Zuerst absolvierte sie eine Ausbildung an der renommierten Kochschule Le Cordon Bleu, die sie als Jahrgangsbeste abschloss. Danach ging sie an die Ferrandi und arbeitete an der Seite von Cyril Lignac sowie im Lazare von Éric Frechon. Im Juni 2016 eröffnete sie das Rocaille mit ihrem Partner Michael Spreckelmeyer, der sich um die Weine kümmert. 2026 hat das “Rocaille” seinen zehnten Geburtstag gefeiert.

Die Pâtisserie ist wirklich das, was man sonst nirgends in Düsseldorf bekommt: echte französische Törtchen und Desserts, fein und elegant. Die Himbeertartelettes, die Macarons, die Schokoladentarte, aber auch mutigere Kombinationen wie ihr Entremets aus Passionsfrucht und Schokoladenmousse. In der Küche gibt es die Klassiker des Pariser Bistros, nur etwas schicker: Coq au Vin, ein schönes Entrecôte, Confit de Canard und Flammkuchen.

Und dann ist da noch der Wein: über 2.400 Positionen, davon fast ein Drittel aus Frankreich, mit Vertikalen über mehrere Jahrgänge desselben Weinguts. Falstaff hat das Rocaille zum Weinrestaurant des Jahres 2026 gekürt, nachdem es dort schon mehrfach zur besten Weinbar Deutschlands gewählt worden war.

Mein Tipp: Lass’ Michael deinen Wein aussuchen und hebe dir unbedingt Platz fürs Dessert auf!

📍 Weißenburgstraße 19, 40476 Düsseldorf (Derendorf) 

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