Unser kulinarischer Leitfaden für die Tour de France 2026

Von Christian Letourneau

Der Sommer bringt in Frankreich viele spannende Dinge mit sich. Dazu gehören frische Melonen, ein Aperitif auf der Terrasse mit Freunden, oder ein kaltes Glas Pastis in der Sonne. Außerdem findet eines der beliebtesten Gemeinschaftserlebnisse des Landes statt: Die Tour de France. Dieses mehrwöchige Radrennen quer durch Frankreich zieht uns seit 113 Jahren jeden Sommer in seinen Bann. 

Tour de France: gastronomic specialties along the route

Die Route verläuft jedes Jahr anders durch die 101 Departments des Landes. Durch die neuen Routen kann man jede Ecke dieses großen und vielfältigen Landes kennenlernen. Dieses Event ist außerdem die perfekte Gelegenheit, Frankreichs schier endlose regionale gastronomische Köstlichkeiten zu entdecken. 
 
Die Tour de France 2026 führt durch heiliges Weinland, legendäres Weideland und faszinierende Trüffelgebiete. Hier ist unser Leitfaden zu den besten kulinarischen Zielen entlang der Tour de France 2026 – und zu den Orten, an denen wir unterwegs Halt machen, um zu essen. 

 

Der Grand Depart: Barcelona 

Gelegentlich findet der Start der Tour auch außerhalb der Landesgrenzen in Nachbarländern wie Deutschland, Italien oder Belgien statt. Dieses Jahr findet der Grand Depart am 4. Juli in Barcelona statt. Die Provinz Katalonien teilt viele kulinarische Werte mit ihren gallischen Vettern in den Pyrenäen. Für diesen besonderen Anlass haben wir eine bunte Mischung aus spanischen Tapas und französischen Köstlichkeiten für deine „Grand Départ“-Party zusammengestellt: Tapas nach französischer Art.

Die Pyrenäen: Carcassonne nach Pau 

Die ersten Etappen der diesjährigen Tour führen hinauf in die Pyrenäen bei Les Angles und auf der anderen Seite hinunter in die mittelalterliche Festungsstadt Carcassonne im Herzen Südwestfrankreichs. Auf diesen warmen, bergigen Weiden grasen Lacaune-Schafe, die für nussige, rustikale Halbhartkäse wie Ossau-Iraty und Tomme de Pyrenées bekannt sind.  

Auf dem Weg nach Westen in Richtung Pau führt die Tour durch Regionen, in denen Schinken und Wurstwaren praktisch eine Religion sind. Der berühmte Jambon de Bayonne und das Porc Noir de Bigorre stammen aus diesen Tälern im Südwesten, wo die berühmten Salzquellen von Bearn, das reichhaltige Getreideangebot und die milden, trockenen Sommer die perfekten Bedingungen für Wurstwaren bieten. 

Luxus in Bordeaux 

Die Etappen 7 bis 9 der Tour führen das Tal der Garonne hinauf und lassen die rustikalen Käse- und Wurstwaren der Pyrenäen hinter sich, um in den raffinierten Weinbau des Bordeaux einzutauchen. Am linken Ufer der Garonne produzieren die Gründerväter der französischen Weinkultur - Lafitte, Latour, Mouton - einige der berühmtesten Weine der Welt. Egal, ob du eher der Rive Gauche- oder der Rive Droite-Typ bist – in diesem Leitfaden erfährst du alles über das legendäre Terroir der Region. 

Als ob dieser Abschnitt der Tour nicht schon luxuriös genug wäre, verlässt das Rennen Bordeaux und führt durch Bergerac und Périgueux, die Heimat der begehrten Perigord-Trüffel. Dann führt die Fahrt durch die Weidelandschaften des Limousin-Rindfleischs, einer mageren Rinderrasse mit einem delikaten Geschmack, die sich hervorragend zum Anbraten bei mittlerer Garstufe und zur Trockenreifung eignet.  Falls du diesen Sommer vorhattest, zur Tour de France zu reisen, empfehlen wir die Etappe durch das Bordelais. Sie gehört zu den kulinarisch reizvollsten.

Cantal: Ein freier Tag auf dem „Le Grande Plateau de Fromages“

Nach eineinhalb Wochen harter Arbeit macht die Tour de France am 13. Juli in Cantal eine Pause. Cantal liegt am südlichen Ende des massif central, einer alten vulkanischen Hochebene, die das Zentrum Frankreichs einnimmt. Die schlummernden Vulkane spenden Schatten auf fruchtbaren, dunklen Böden, die von artenreichen Wiesen bedeckt sind, auf denen die Kühe weiden, aus deren Milch einige der berühmtesten Käsesorten Frankreichs hergestellt werden.  

Cantal ist das Ergebnis einer der ältesten dokumentierten Käsetraditionen der Welt. Der milde Fourme d'Ambert und der grasige Bleu d'Auvergne überzeugen selbst den größten Blauschimmelkäse-Hasser.  

Es hat fast den Anschein, als wären die Planer der Tour de France große Fans von Saint Nectaire. Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um ein Stück von diesem saisonalen Käse zu probieren. Mit einer vergleichsweise kurzen Reifezeit von etwa drei Wochen bringt der Saint-Nectaire die ganze Komplexität und den Charakter der Milch besonders gut zur Geltung; Anfang Juli entfalten sich dabei die Aromen der Weiden des frühen Frühlings und Sommers in besonderer Intensität. Du solltest aber nicht viel zu viel Käse essen. Wir haben erst die Hälfte des Weges hinter uns.  

Elsass 

Über das Burgund und die Franche-Comte gelangt die Tour an die nordöstliche Grenze Frankreichs in die Region Elsass. Das landwirtschaftlich reiche Rheintal bildet die heutige Grenze zwischen Frankreich und Deutschland, und der Wein, die Sprache und die Küche der Region spiegeln den kulturellen Austausch zwischen den beiden Ländern wider. Die erfrischenden elsässischen Weine aus dem Rheintal stammen aus terrassierten Weinbergen, die sich über dem Fluss erheben und vor allem mit Gewürztraminer, Pinot Gris und Riesling bepflanzt sind. Hier werden eher deftigere Speisen wie Flammkuchen oder die geräucherte, bissige Saucisse de Strasbourg serviert.  Nach einem langen Tag auf dem Rad bilden ein gutes Saucisse purée und ein Glas Crémant d’Alsace ein köstliches, stärkendes Essen. 

Die französischen Alpen

Anschließend führt die Tour nach Süden in die französischen Alpen, wo die Gipfel immer höher und die Täler immer eindrucksvoller werden und wo das berühmte gelbe Trikot des Gesamtführenden auf den schwindelerregenden Serpentinen dieser legendären Bergetappen immer wieder neu vergeben wird. Diese legendäre Sportregion bietet alles vom Radfahren bis zum Skifahren und Alpinismus.  

Auch kulinarisch ist es ein unvergleichliches Gebiet. Die Region Savoie hat der Welt den Emmentaler und den Raclette-Käse geschenkt. Die Mönche des massif chartreuse produzieren den berühmten gleichnamigen Alpenschnaps. Die regionale Küche ist wie geschaffen, um das Kaloriendefizit auszugleichen, das du dir beim Radfahren über all diese Berge hinweg erarbeitet hast. Ein gemeinsames Raclette oder Fondue schmeckt umso besser, wenn man sich das Essen durch sportliche Betätigung so richtig verdient hat. 

 

Endlich in Paris 

Wie immer schlängelt sich der letzte Tag der Tour de France durch die engen Gassen und Hausmannschen Boulevards der Hauptstadt. Hier finden all diese köstlichen regionalen Produkte aus dem ganzen Land ihren Platz in der blühenden Restaurantkultur der Hauptstadt. Mit der Ankunft auf den Champs Élysées geht die Tour zu Ende. Diese jährliche Tradition ist mehr als nur ein Elite-Wettbewerb. Es ist eine jährliche Gelegenheit, dieses vielfältige Land von einem Ende zum anderen zu erkunden – sei es auf dem Fahrradsattel oder bequem von deiner eigenen Couch aus. 

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