So feiert Frankreich Ostern: Von den Glocken bis zur Lammkeule!

Von Géraldine Leverd

Ostern ist nach Weihnachten das wichtigste Fest im christlichen Kalender – und auch in Frankreich gehört es zu den schönsten und bedeutendsten Momenten des Jahres. Es ist die Zeit, in der sich die Familien wiedersehen, der Frühling endlich spürbar wird und natürlich ausgiebig und genussvoll gegessen wird. 

Easter in France

Für die Kinder ist Ostern etwas ganz Besonderes. Es gibt jede Menge Schokolade – vorausgesetzt, sie waren bei der Eiersuche auch richtig fleißig! In den Bäckereien und bei den Chocolatiers bestaunt man in dieser Zeit wahre Kunstwerke aus Schokolade. Die Schaufenster sehen oft aus wie kleine Ausstellungen. 

Doch Ostern in Frankreich hat seine ganz eigenen Besonderheiten. Vor allem eine Tradition bringt Besucher immer wieder zum Staunen. 

 

Warum in Frankreich die Glocken fliegen (und nicht der Hase) 

Ein besonders schöner Teil der französischen Ostertradition dreht sich um die Kirchenglocken. Vom Karfreitag bis zum Ostersonntag schweigen in Frankreich die Kirchenglocken. Dieses Verstummen ist ein Zeichen der Trauer vor der Auferstehung. 

Den Kindern wird erzählt, dass die Glocken in dieser Zeit nach Rom fliegen, um dort vom Papst gesegnet zu werden. Am Ostersonntag kehren dann sie zurück – und bringen eine süße Überraschung mit: Auf ihrem Weg über Frankreich lassen sie Schokoladeneier (aber nicht nur, wie du unten lesen wirst) in die Gärten fallen. 

Erst wenn die Glocken am Morgen wieder läuten, beginnt offiziell die Chasse aux œufs – und für die Kinder die schönste Suche des Jahres. 

 

Die „Chasse aux Œufs“: Die große Eiersuche 

Sobald die Glocken am Ostersonntag wieder läuten, beginnt in Frankreich die Chasse aux œufs, die Eiersuche. Die Eltern verstecken heimlich Schokolade und andere Süßigkeiten im Garten, auf dem Balkon oder manchmal sogar in öffentlichen Parks. Dann dürfen die Kinder sich auf die Suche machen. Der schönste Moment Ostern für sie! 

Neben klassischen Schokoladeneiern verstecken die Eltern häufig die sogenannten Fritures de Pâques: kleine Figuren aus Schokolade in Form von Fischen oder anderen Meerestieren. Der Fisch ist ein altes christliches Symbol und gehört deshalb traditionell zum Osterfest. 

In den Auslagen der Bäckereien und Chocolatiers spiegelt sich diese Tradition wider: Statt des Osterhasen sieht man dort vor allem Glocken, Hühner oder Fische aus Schokolade. 

 

Das Ostermahl in Frankreich 

Nach der Eiersuche versammelt sich die Familie am Tisch. Das Osteressen hat in Frankreich einen besonderen Stellenwert und wird gerne ausgiebig gefeiert – oft über mehrere Stunden hinweg. 

Traditionell steht dabei ein Gericht im Mittelpunkt: das Lamm. Für viele Familien gehört es ganz selbstverständlich zu Ostern dazu. Besonders beliebt ist das Gigot d’Agneau Pascal, die klassische Lammkeule. Im Ofen langsam gegart, mit Knoblauch gespickt und mit Rosmarin aromatisiert, wird sie wunderbar zart. 

Als Beilage wird er traditionell mit Kartoffeln serviert, etwa als Gratin Dauphinois oder in Form von Herzoginkartoffeln. Dazu gibt es meist grüne Bohnen oder Spargel – letzterer wird auch oft als Vorspeise gereicht, da er zu dieser Zeit gerade Saison hat. 

Egal wie umfangreich das Menü war, eine Käseplatte darf bei keinem Fest fehlen. Hier gibt es keine bestimmten Käsesorten, die zu Ostern gehören. Am besten wird eine Auswahl verschiedener Texturen zusammengestellt: Ein Mix aus Weichkäse wie Camembert oder Brie und Hartkäse wie Comté oder Mimolette

Und natürlich endet kein französisches Fest ohne Dessert. Jede Familie hat hier ihre eigenen Traditionen und Vorlieben. In der Regel gibt es etwas mit Erdbeeren, wie eine Tarte aux fraises oder eine Charlotte, einen Schokoladenkuchen oder ein kleines „Osternest“ aus Biskuit und Creme. 

Süße Traditionen aus den Regionen 

Frankreich wäre nicht Frankreich, wenn es nicht in jeder Region eigene Spezialitäten gäbe, die das Osterfest versüßen. Während Schokolade überall eine wichtige Rolle spielt, haben sich in einigen Gegenden ganz besondere Traditionen erhalten. 

 

Das Osterlammele (Elsass) Im Elsass backt man das sogenannte Osterlammele, einen luftigen Biskuitkuchen in Form eines Lamms. Gebacken wird er in einer speziellen Form, anschließend großzügig mit Puderzucker bestäubt und oft mit einer kleinen Fahne geschmückt. Fast zu schön, um ihn anzuschneiden. 

Die Riesen-Omelette (Bessières) Im Südwesten, in der Stadt Bessières, bereitet man jedes Jahr in einer riesigen Pfanne ein Omelett aus Tausenden von Eiern zu. Die Idee dahinter ist einfach: Man kommt zusammen und teilt dieses außergewöhnliche Gericht mit Freunden, Familie und der ganzen Gemeinde. 

Die Cornuelles (Charente) In der Charente kennt man die Cornuelles: dreieckige Mürbeteiggebäcke mit einem Loch in der Mitte. Früher wurden sie am Palmsonntag an gesegneten Zweigen aufgehängt. 

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