Französische Speisen, die nach berühmten Persönlichkeiten benannt sind
Tournedos Rossini, Filet Chateaubriand, Pêche Melba: Viele berühmte französische Gerichte tragen die Namen historischer Persönlichkeiten – inspiriert von ihrem Leben, ihrem Werk und ihrer Kunst. Tauche mit uns ein in die Welt französischer Speisen, die nach prominenten Persönlichkeiten benannt sind.
Brillat-Savarin
Brillat-Savarin ist ein außergewöhnlich genussvoller Käse, benannt nach einem der außergewöhnlichsten Foodies Frankreichs: dem Koch und Autor Jean Anthelme Brillat-Savarin.
Brillat-Savarins Bestseller „Physiologie des Geschmacks“ ist Memoiren, Reiseführer und Manifest über die Kunst des Essens in einem. Nach seinem Erscheinen 1825 wurde es umgehend ein kommerzieller Erfolg und zählt heute zu den Gründungstexten, die der französischen „Kunst der Tafel“ zu Weltruhm verhalfen. Vielleicht kennst du sein berühmtestes Zitat: „Sage mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist.“
Der nach ihm benannte Käse wird in ganz Frankreich hergestellt, hauptsächlich jedoch im Burgund. Er wurde in den 1890ern entwickelt und in den 1930ern zu Ehren Brillat-Savarins umbenannt. Mit beachtlichen 72 Prozent Fettgehalt ist dieser Dreifachrahmkäse aus Kuhmilch unglaublich cremig und gehaltvoll. Er harmoniert mit süßen wie pikanten Begleitern – von frischen Früchten und Konfitüren bis hin zu Charcuterie. Probier ihn zu einem Glas Champagner und stoß auf Frankreichs ersten großen Gourmet-Star an.
© Frédérique Voisin-Demery
Pêche Melba
Auguste Escoffier hat wie kaum ein anderer dazu beigetragen, die Tradition der französischen Haute Cuisine zu prägen und zu etablieren. Doch sein Werk endete nicht beim Teller. Escoffier setzte alles daran, seine Arbeit in der Küche im Bewusstsein der breiteren Kunstszene zu verankern und das Essen mit den anderen großen Kunstformen zu verbinden, die im Paris und London des späten 19. Jahrhunderts blühten.
1892 kreierte Escoffier ein neuartiges Dessert namens Pêche au Cygne, das er der Opernsängerin Nellie Melba bei ihrem Aufenthalt im Londoner Savoy Hotel servierte. Nellies Auftritt in Wagners „Lohengrin“ war kurz zuvor ein Riesenerfolg gewesen – und das neue Dessert aus frischen Pfirsichen, Vanilleeis und Himbeersauce wurde es ebenfalls. Escoffier nahm das Rezept in seine späteren Restaurantprojekte mit, und es übernahm den Namen jener Opernsängerin, die er damit als Erste geehrt hatte. Pêche Melba ist bis heute ein Klassiker.
© Lama Roscu
Tournedos Rossini
Tournedos Rossini ist eine üppige Zubereitung aus Filet mignon, gekrönt von einer Trüffelscheibe, Foie gras und einer reichen Madeira-Sauce. Das Rezept geht auf den Großmeister der französischen Küche, Marie-Antoine Carême, zurück – unter der wachsamen (und hungrigen) Aufsicht seines guten Freundes, des Komponisten Gioachino Rossini.
Rossini war europaweit als Komponist der frühen Romantik bekannt. Unter Freunden und Zeitgenossen galt er außerdem als echter Gourmet, der ausgelassene Dinnerpartys zu zelebrieren wusste. Rossini ersann der Legende nach dieses dekadente Steakgericht – und sein Freund Carême soll es in die Tat umgesetzt haben.
Wenn du nach Paris reist, findest du dieses Highlight noch immer in klassischen Tempeln der Kochkunst wie dem Chez Dumonet oder dem Maxim’s. Oder du versuchst dich selbst daran – mit diesem Rezept.
Hachis Parmentier
Antoine-Augustin Parmentier wurde berühmt, weil er die Kartoffel im späten 18. Jahrhundert einer skeptischen französischen Bevölkerung als Grundnahrungsmittel schmackhaft machte. In Erinnerung bleibt er für so manche Eskapade: Er steckte Kartoffelblüten in die Knopflöcher Ludwigs XVI. und Marie Antoinettes und ließ seine Versuchsbeete von bewaffneten Wachen schützen. Er liegt auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise begraben – in einem Grab, das von Kartoffelpflanzen umrahmt wird.
© Bart Hölscher
Sein Einsatz für die einfache Kartoffel wird in den Namen einiger geliebter Nationalgerichte verewigt. Hachis Parmentier ist ein verfeinerter Shepherd’s Pie aus Rindfleisch und cremigem Kartoffelpüree, der nach Parmentiers Tod in den Pariser Bistros populär wurde. Heute gilt das Gericht national als wohltuende Hausmannskost und findet sich sowohl in feinen Restaurants als auch in den Regalen der Supermärkte.
Chateaubriand
Bis heute ein Klassiker der französischen Bistros: Das Steak Chateaubriand verdankt seinen Namen François-René de Chateaubriand, einem französischen Staatsmann und Schriftsteller der Romantik. In seinem privaten Speisezimmer war sein Lieblingsgericht ein zartes Filetstück, ähnlich einem Filet mignon, englisch gebraten mit einer Sauce aus Weißwein, Butter, Schalotten und Estragon.
Chateaubriands persönlicher Koch machte das private Gericht nach dem Tod des Schriftstellers öffentlich – von dort verbreitete es sich in der Kochszene und fand seinen Weg auf die Speisekarten der Restaurants.
© alexanderafan
La Tropézienne, oder „La Tarte Brigitte Bardot“
Wer in Saint-Tropez in einer Patisserie vorbeischaut, kann zusehen, wie ein neuer berühmter Name für ein französisches Gebäck in Echtzeit entsteht.
Üblicherweise La Tropézienne genannt, wurde dieser Brioche-Kuchen mit großzügiger Konditorcreme-Schicht 1952 vom örtlichen Pâtissier Alexandre Micka erfunden. Während der Dreharbeiten zum Klassiker „Und immer lockt das Weib“ im Jahr 1955 wurde er zum Lieblingsgebäck von Brigitte Bardot. Mit Bardots aufsteigendem Stern stieg auch die Bekanntheit ihres Lieblingsgebäcks.
Nach Bardots Tod im Jahr 2025 würdigten einige örtliche Konditoreien die berühmte Schauspielerin und nannten ihre Versionen der Tarte Tropézienne kurzerhand „Tarte BB“ oder „Tarte Brigitte Bardot“. Ob sich der neue Name dieses berühmten Gebäcks – nach seiner berühmtesten Fürsprecherin – tatsächlich durchsetzt, bleibt abzuwarten.
© DimiTalen
Kulinarische Größen wie Marie-Antoine Carême und Auguste Escoffier benannten ihre Gerichte gerne nach berühmten Zeitgenossen, um die Kochkunst mit der Welt der Kunst und Kultur ihrer Zeit zu verbinden. Köche und Bäcker benennen ihre Kreationen seit Generationen nach prominenten Stammgästen und inspirierenden Foodies. Und der Reiz, zu essen wie Frankreichs berühmte Schriftsteller, Musiker und Politiker, hat seit Jahrhunderten seinen festen Platz in der Promi-Kultur. Mit jedem Bissen erzählen diese Gerichte eine Geschichte, bewahren eine Tradition oder rufen eine kulturelle Erinnerung wach.
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Cook & writer