Der Pfirsich – französischer Stolz mit Sommergeschmack

Wenn Anfang Juni die ersten Pfirsiche in den Auslagen erscheinen, kündigen sie den Sommer an – und belohnen nicht nur unsere Geduld, sondern auch die Arbeit zahlreicher Landwirte. Hinter diesen sonnengereiften Früchten, auf die die Verbraucher jedes Jahr sehnsüchtig warten, stecken Monate sorgfältiger Arbeit, ein einzigartiges Können und vor allem leidenschaftliche Erzeuger. Im Gard, mitten in den Costières de Nîmes, ist der Erzeuger Romain Zoroddu ein perfektes Beispiel dafür. 

Der erfahrene Obstbauer bewirtschaftet heute 200 Hektar Obstgärten und erzeugt jährlich rund 8.000 Tonnen Obst. Ein Werdegang, der in einer langen Familiengeschichte wurzelt. „Ich komme aus einer Familie, die seit fünf Generationen Landwirtschaft betreibt. Dieses Erbe hat meine Werte geprägt und meine Entschlossenheit, diesen Beruf weiterzuführen“, erzählt er.

 

Als er sich 2007 selbstständig macht, kauft er alte Weinberge, auf denen er zunächst Aprikosen-, später Pfirsich- und Nektarinenbäume pflanzt. Eine für ihn selbstverständliche und natürliche Umstellung, die im Hintergrund die überragende, historische Bedeutung des Obstbaus in dieser Region Südfrankreichs widerspiegelt.

Ein ideales Terroir

Dass die Costières de Nîmes zu einem der wichtigsten Anbaugebiete Frankreichs geworden sind, ist kein Zufall. Hier vereint die Landschaft besonders günstige Bedingungen für den Anbau von Steinobst. „Pfirsich und Nektarine brauchen Wasser, aber auch Wärme. Hier im Süden Frankreichs finden wir daher ideale Bedingungen“, erklärt der Erzeuger.

 

Die für die Region typischen Sandsteinböden spielen eine entscheidende Rolle.  In diesem Ökosystem speichern die für die Gegend typischen Kiesel und Steine die Wärme und geben sie nach und nach wieder ab. In Verbindung mit einem mediterranen Klima – relativ milde Winter, heiße, trockene Sommer und regelmäßiger Wind – schaffen diese Eigenschaften ein besonders günstiges Umfeld für die Obstgärten.

 

Dieses natürliche Zusammenspiel wirkt sich unmittelbar auf die Fruchtqualität aus. „Die Steine speichern die Wärme und erwärmen sowohl den Boden als auch die umgebende Luft. So reifen die Früchte schneller. Bei uns werden die Früchte mit am frühesten in Frankreich reif.” Diese frühe Reife ist wertvoll und ein großer Vorteil für die Zuckerbildung in den Früchten – ein entscheidender Faktor für den Geschmack von Pfirsich und Nektarine.

Pfirsich oder Nektarine: Wer ist wer?

In seinen Obstgärten baut Romain Zoroddu mehr als 150 verschiedene Sorten an. Eine Wahl, die es erlaubt, die Ernte über mehrere Monate zu verteilen und zugleich den unterschiedlichen Erwartungen der Verbraucher gerecht zu werden. Darunter sind weiße und gelbe Nektarinen, weiße und gelbe Pfirsiche, aber auch Plattpfirsiche, deren Beliebtheit in den letzten Jahren stetig wächst.

 

Diese Sortenvielfalt ist im Übrigen eine der Stärken der französischen Produktion. Denn sie ermöglicht sehr unterschiedliche Aromaprofile über die gesamte Saison hinweg, vom Sommeranfang bis in die letzten Septembertage.

 

In den Köpfen vieler Verbraucher sind Pfirsich und Nektarine zwei ganz unterschiedliche Früchte. Dabei sind sie sich viel ähnlicher, als man denkt. „Der wichtigste Unterschied zwischen Pfirsich und Nektarine ist die Haut. Der Pfirsich hat eine flaumige Haut, die Nektarine dagegen eine glatte“, fasst Romain Zoroddu zusammen.

 

Beide Früchte stammen in Wirklichkeit vom selben Obstbaum. Die Nektarine entsteht durch eine natürliche Mutation des Pfirsichs. Über das Aussehen hinaus gibt es allerdings einige geschmackliche Unterschiede. Nektarinen haben oft ein festeres Fruchtfleisch und säuerlichere Noten, während Pfirsiche durch ihre zartschmelzende und besonders saftige Textur bestechen.

Eine Frucht, die Zuwendung braucht

Anders als bei manchen stark mechanisierten Kulturen bleibt der Pfirsich eine Frucht, die ständige menschliche Zuwendung erfordert. „Der Anbau von Pfirsich und Nektarine bleibt echte Handarbeit, weil es empfindliche Früchte sind“, betont der Obstbauer.

 

Die Arbeit beginnt lange vor den ersten Früchten. Nach der winterlichen Ruhephase blühen die Bäume schon in den ersten Monaten des Jahres. Dann folgen die verschiedenen Arbeitsschritte, die das Leben im Obstgarten bestimmen: Winterschnitt, Ausdünnen der Blüten oder jungen Früchte und schließlich der Sommerschnitt, der Sonneneinstrahlung und Färbung fördern soll.

 

Maschinen kommen vor allem beim Sortieren und Verpacken zum Einsatz. In den Reihen der Obstgärten wird der Großteil der Arbeit weiterhin von Hand erledigt. Auch die Ernte erfordert große Präzision. Jede Sorte hat ihr eigenes Reifefenster, und die Früchte müssen zum richtigen Zeitpunkt gepflückt werden, um ein optimales Gleichgewicht aus Zucker, Textur und Haltbarkeit zu gewährleisten.

 

Doch für Romain Zoroddu entscheidet sich die Fruchtqualität weit früher – schon in den ersten Lebensjahren des Obstgartens. „Ein Obstgarten kann bis zu zwanzig Jahre Bestand haben. Doch die ersten Jahre sind entscheidend, denn man muss die Bäume von Anfang an richtig formen.“

Angesichts der Wetterkapriolen

Der Pfirsichanbau verlangt einiges an Können – nicht zuletzt deshalb, weil er stark von den Wetterbedingungen abhängt. Der Frühjahrsfrost zählt bis heute zu den größten Sorgen der Erzeuger. Einige zu kalte Nächte während der Blüte können eine ganze Ernte gefährden. „Der entscheidende Moment ist, wenn die Gefahr von Spätfrost vorüber ist. Ist diese Zeit vorbei, können wir etwas beruhigter sein“, verrät der Erzeuger.

 

Doch in den letzten Jahren ist mit dem Klimawandel ein neuer Störenfried hinzugekommen: der Hagel. „Die immer häufigeren Hagelereignisse sind eine wachsende und sehr ernste Bedrohung. Jedes Jahr können sie eine ganze Ernte zunichtemachen.“

 

Ein französisches Markenzeichen

Frankreich baut Pfirsiche und Nektarinen vor allem im Süden des Landes an. Im Gard von Romain Zoroddu, natürlich, aber nicht nur dort. Man findet sie auch in der Provence, im Roussillon, im Rhonetal, in Okzitanien oder sogar auf Korsika.

 

Diese Identität beruht vor allem auf einer bedeutenden Sortenzüchtung, die seit mehreren Jahrzehnten betrieben wird. Eine minutiöse Feinarbeit für Erzeuger, die ständig nach neuen Gleichgewichten aus Geschmack, Festigkeit, Ertrag und Krankheitsresistenz suchen.

Der Geschmack des Sommers

Der Pfirsich und die Nektarine haben einen besonderen Platz im Herzen der Verbraucher. Das liegt unter anderem daran, dass man sie stets mit der Rückkehr sonniger Tage und steigenden Temperaturen verbindet. „Das ist unbestreitbar: Es sind Sinnbilder des Sommers, auf die die Franzosen jedes Jahr ungeduldig warten“, stellt Romain Zoroddu fest. 

 

Ihre Seltenheit und ihre kurze Saison machen einen Teil ihres Reizes aus. Also genießt man sie – im Bewusstsein, dass dieser süße Moment nur von kurzer Dauer ist. „Wenn man einen Pfirsich oder eine Nektarine sieht, denkt man sofort an die Sonne, den Sommer, den Süden Frankreichs. Sie sind mehr als nur Früchte: Sie sind Symbole, feste Bezugspunkte. Manchmal wecken sie sogar Erinnerungen wie Prousts berühmte Madeleine.”

Noch heute, trotz all der Jahre, ist die Freude ungebrochen, wenn Romain Zoroddu eine seiner voll ausgereiften Früchte probiert. „Jedes Mal empfinde ich eine große Zufriedenheit. Ein echter Grund, stolz zu sein, denn hinter einem schönen Pfirsich oder einer Nektarine stecken echtes Handwerk und ständige Aufmerksamkeit.

 

Ein Stolz, der über Ertrag und die Zufriedenheit mit gut gemachter Arbeit hinausgeht. Denn mit jeder Ernte hält der Erzeuger auch – und vor allem – ein familiäres Können und eine französische Obsttradition am Leben, Saison für Saison.

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