Ein Leitfaden für Cognac, seine Geschichte, Terroir und dazu, wie man ihn genießt
Goldene Farbe, komplexe Aromen und zweifelsohne französisch: Cognac ist ein zeitloser Weinbrand, der über die Jahre niemals an Bedeutung verloren hat. Ob an königlichen Höfen oder in Cocktailbars – Cognac ist seit jeher ein Symbol der französischen Kultur.
Wusstest du, dass das erfolgreichste Exportgut Frankreichs weder seine berühmten Backwaren, die Mode noch der Wein ist, sondern Cognac? Die Spirituose aus Charente wird von Liebhabern weltweit – von Shanghai bis New York – wahrlich verehrt. Paradoxerweise wird Cognac im eigenen Land jedoch oftmals zugunsten von Wein, Whisky oder sogar Rum außer Acht gelassen.
Doch warum ist Cognac bis heute so relevant, und wie wird diese goldene Spirituose die Welt erobern? Werfen wir einmal einen genaueren Blick auf dieses Produkt reinster Handwerkskunst.
Die Geschichte des Cognacs: von niederländischen Seefahrern bis hin zum Kultstatus
Die Geschichte des Cognacs beginnt tatsächlich nicht in Frankreich, sondern in den Niederlanden. Im 15. Jahrhundert kauften niederländische Händler Weine in der Charente, einer kleinen französischen Landschaft, die sie auf ihren Reisen bei Laune halten sollten. Nach einigen Wochen auf hoher See stellten sie allerdings fest, dass der Wein verdorben war. Doch über Bord wurde er nicht geworfen. Stattdessen entschieden sie sich dazu, diesen zu destillieren. Ein wahrer Geniestreich, denn dadurch konnte der Alkoholanteil stabilisiert werden. Das Erzeugnis nannten sie Brandewijn – der Vorgänger des heutigen Weinbrands!
Er wurde über Nacht zur Sensation und die Einheimischen entschieden sich sogar dazu, ihr Verfahren weiter auszuarbeiten, indem sie eine zweite Destillation durchführten, um dem Wein etwas Finesse zu verleihen. Im 17. Jahrhundert trank der englische Adel dann den Cognac in den Londoner Clubs. Er war also auf dem besten Weg, Weltruhm zu erlangen.
Viele der heutigen großen Cognac-Marken (wie Martell, Hennessy, Rémy Martin oder Courvoisier) sind die direkten Nachfahren dieser reichen Geschichte. Cognac mag ursprünglich aus Frankreich kommen, doch in seinem Bestreben war er stets international.
Cognac-Terroir: die sechs Crus, die seinen Charakter prägen
Man kann sich nicht einfach so dazu entscheiden, Cognac herzustellen. Er besitzt die Ursprungsbezeichnung „Appellation d’Origine Contrôlée“ (AOC), eine strikte Vorschrift für die Herstellung von Cognac, die genau definiert, wo und wie dieser hergestellt werden kann. Der größte Weinberg für Weißwein in Frankreich deckt etwa 10 % der gesamten französischen Rebfläche ab.
Dazu gehören die Regionen Charente, Charente-Maritime und einige angrenzende Kommunen. Hier können die sechs Crus, oder auch Anbaugebiete, und die Terroirs genutzt werden, um das „Eau-de-vie“ (auf Deutsch: Lebenswasser) in unterschiedlichen Ausführungen zu produzieren:
- Grande Champagne: zarte, blumige Noten, mit einem großartigen Reifepotential
- Petite Champagne: eleganter und reifer Charakter, reift etwas schneller als Grande Champagne
- Borderies: klein, aber unverwechselbar, berühmt für seine Veilchennoten
- Fins Bois: abgerundet, geschmeidig, mit einem starken fruchtigen Charakter
- Bon Bois und Bois Originaires: rustikaler, bisweilen angehaucht von der atlantischen Brise
Dabei handelt es sich um eine festgelegte Klassifizierung, die von der Arbeit des Geologen Henri Coquand im 19. Jahrhundert inspiriert wurde und bis heute ein Verständnis für Cognac liefert. Durch die vielfältigen Böden und Klimata können die Kellermeister mit einer reichen Palette an Geschmacksnoten und Aromen arbeiten.
Die Trauben des Cognac: Ugni Blanc und ihre Akolythinnen
Trauben sind bei Congnac genau wie bei Wein die erste Zutat. Die dafür überwiegend verwendete Traubensorte heißt Ugni Blanc, die 98 % der Cognac-Weinberge abdeckt. Mit ihrem hohen Säuregrad und dem niedrigen Zuckergehalt produziert diese stille Heldin einen leichten Weißwein, der nach der Destillation richtig erstrahlt.
Zu den andren Traubenarten, die für Cognac verwendet werden, gehören die sehr alte Folle Blanche, die älter ist als die Reblausinvasion, die Colombard sowie die jüngeren und komplexeren Traubensorten Montils und Folignan. Ihre Mischung bildet das Fundament dieser Eaux-de-vie der Weltklasse.
© Oliver Strewe
Wie wird Cognac hergestellt?
Nachdem du nun etwas mehr über den Weinberg von Cognac erfahren hast, wird es Zeit, eine Blick in den Keller zu werfen und zu entdecken, wie er hergestellt wird.
Die Ernte beginnt im Herbst und sie liefert einen scharfen, frischen Weißwein, der gerade einmal 8 bis 9 % Alkohol enthält. Dieser Wein ist nicht zum Trinken gedacht, sondern zur Destillation, die im Winter in Charentais-Brennblasen aus Kupfer stattfindet.
Cognac ist das Ergebnis von nicht nur einer, sondern von zwei Destillationen. Durch die erste entsteht der sogenannte Brouillis, ein Rohbrand, der dann durch La bonne chauffe, der zweiten Destillation, verfeinert wird. Das Ergebnis? Ein klares Eau-de-vie mit einem Alkoholgehalt von etwa 70 %.
Dann wird gewartet, denn die Zeit ist der wahre Alchemist des Cognac. Der destillierte Branntwein wird in Eichenfässer überführt, die aus Limousin- oder Tronçais-Wäldern stammen, in denen er über mehrere Jahre langsam reift. Durch diesen langsamen Prozess kann er seine faszinierenden Noten an u. a. Vanille, Gewürzen und getrockneten Früchten entfalten.
Der Kellermeister wird dann die unterschiedlichen Eaux-de-vie verkosten und sich für eine Mischung entscheiden, bei der die Crus, Reife und Stile für eine einzelne Abfüllung ausbalanciert werden.
Cognac-Klassifizierungen: VS, VSOP und XO.
Jeder Cognac besteht aus einer Mischung, was schnell für Verwirrung sorgen kann. Aus diesem Grund findet man auf jedem Flaschenetikett Hinweise zu seinem Alter und zu seiner Komplexität.
- VS (Very Special): mindestens 2 Jahre alt, kräftig und fruchtig, ideal geeignet für Cocktails
- VSOP (Very Superior Old Palate): mindestens 4 Jahre alt, strukturierter und ausbalancierter als VS
- XO (Extra Old): mindestens 10 Jahre alt, Inbegriff des „Savoir-faire“ des Kellermeisters
Außerdem gibt es bei einigen Marken besondere Jahrgänge, Einzelfassabfüllungen oder experimentelle Abgänge.
Wie trinkt man Cognac: eine Mischung aus Tradition und Kreativität
Cognac stellt man sich eigentlich eher in einer dunklen Bibliothek mit Sofas vor, in der er nach dem Abendessen, pur und in einem tulpenförmigen Glas serviert wird. So gemütlich wie das natürlich sein kann, so kann man Cognac auch auf viele andere Arten genießen.
In Frankreich wurde Cognac jeher pur oder verdünnt mit Sprudelwasser als „Fine à l’eau“ getrunken. Heutzutage findet sich Cognac in den Bars als beliebte vielfältige Zutat in Cocktails wieder, z. B. als Cognac Tonic oder als Sidecar mit Orangenlikör und Zitrone.
Tatsächlich gibt es keine spezifische Regel, wie du Cognac am besten genießen solltest. Den kultigen Branntwein genießt du am besten so, wie es sich für dich richtig anfühlt: pur, auf Eis oder in einem Cocktail.
Cognac, eine Spirituose, die man (neu) entdecken sollte
Cognac ist viel mehr als nur ein Relikt, das man in staubigen Bibliotheken findet. Er erzählt die Geschichte einer Region, von Jahrhunderten von Savoir-faire und einer Kultur, die den typischen französischen Geschmack in die restliche Welt geführt hat.
Genieße ihn pur, um seine Komplexität zu entdecken, gebe einen Spritzer Wasser hinzu, um seine Aromen zu entfalten, oder lasse dich vom Barkeeper mit einem tollen Cocktail überraschen. Wie auch immer du Cognac genießen möchtest, du wirst Teil einer Tradition, die seit Jahrhunderten relevant ist und dies auch in Zukunft sein wird!
Bist du bereit, Teil der Cognac-Renaissance zu werden?
Zum Wohl! 🍸
Wichtiger Hinweis: Der Missbrauch von Alkohol kann deine Gesundheit gefährden. Bitte genieße Cognac verantwortungsbewusst und in Maßen.