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Die Ernährung in der Zeit danach

Jérôme Berger von Jérôme Berger, Autor 20.07.2020
new alimentation

Mehr als drei Monate lang hat Covid-19 den Alltag der Franzosen komplett auf den Kopf gestellt. Ihre Mahlzeiten im Besonderen. Ein Übel, aber es hatte auch sein Gutes. Erklärungen. 

Alle zusammen! 

„Ich persönlich habe selten so viel Zeit mit meinen Kindern verbracht!“, verkündete neulich begeistert Adeline Grattard. „Wir sind in dieser Zeit gemeinsam gewachsen: Davon bin ich überzeugt!“, so die Sterneköchin und Leiterin von drei Pariser Restaurants, in denen die asiatische Küche neu interpretiert wird. Eine Frage des Standpunkts? Nicht nur! Ganz sicher ist, dass Eltern und Kinder während dieser Gesundheitskrise mehr denn je ihren Alltag miteinander verbracht haben. Also auch ihre Mahlzeiten, dreimal am Tag, die ganze Woche lang ... So viele neue Gelegenheiten, um diese Momente am Tisch neu zu gestalten, oder? Um neue kulinarische Experimente zu wagen, die Kochkunst der eigenen Region und anderer Länder zu kombinieren ... 

Selbst kochen hoch im Kurs 

In Frankreich wie auch anderswo ist der Wunsch, die eigene Ernährung besser unter Kontrolle zu haben, stärker geworden. Klar. Dies beginnt bei der Zubereitung. Wenn man sicher sein möchte, was auf den Teller kommt, dann ist es besser, selbst in die Kochschürze zu schlüpfen! Genau so hat sich das Selbstkochen durchgesetzt, wobei Tradition und Erkundung in Einklang gebracht werden. Dies zeigt sich auch an dem zunehmenden Erfolg einiger Kochkanäle von YouTubern wie zum Beispiel Alex „French guy cooking“, deren Abonnentenzahlen sprunghaft zugenommen haben; oder auch an dem Brothype, der überall in der Stadt eine neue Generation von Bäckern hervorgebracht hat, die bereit sind, zwischen zwei Teammeetings ihr selbst gemachtes Brot anzusetzen.  

Oh, der wunderbare Warenkorb!  

Weil das eine nicht ohne das andere geht, ist schließlich auch die Versorgung all dieser Geschmackskünstler dieser Entwicklung gefolgt. In weniger Zeit als es für Kroketten zum Dippen, Mayonnaise mit Piment d’Espelette braucht, ist der „Warenkorb“ zum neuen heiligen Gral geworden. Ein Objekt, das alle Begehrlichkeiten weckt: gefüllt mit lokalen Produkte aus dem Direktverkauf für die alltäglichen Gerichte, mit exotischeren Zutaten für eine Küche, die zum Verreisen einlädt, oder auch mit beiden für kombinierte Speisen und die zukünftigen Köche mit der größten Begeisterung. 

Eine wachsame Landwirtschaft 

In Frankreich wurden diese Entwicklungen, die kleinen Revolutionen gleichen, durch eine verantwortungsvolle und resiliente Landwirtschaft begleitet. Diese zeichnet sich durch die Erstklassigkeit ihrer Produkte aus, die genauestens kontrolliert und mit Gütesiegeln versehen werden, durch die Weite der Betriebsflächen auf dem Gebiet, die Vielfalt der Erzeugnisse, die Anpassungsfähigkeit der Handwerker und Händler ... All dies konnte umso müheloser ablaufen, als die Landwirtschaft im Internet einen nützlichen Vermittler gefunden hat. Innovation verpflichtet. Eine ganze Reihe von Plattformen hat die Vernetzung der Verbraucher mit den Produzenten erleichtert.  

Und morgen? 

„Wenn die Covid-Krise uns eines gelehrt hat, […] dann, dass wir unser Verhältnis zur Natur neu bestimmen müssen. Wir müssen widerstandsfähiger sein und sicherstellen, dass die Art, wie wir leben, produzieren und konsumieren, nachhaltig ist“, betonte Frans Timmermans. Der Vizepräsident der Europäischen Kommission schließt sich mit dieser Ansicht dem französischen Projekt Ambition Bio 2022 an, mit dem das Ziel verfolgt wird, dass bis in zwei Jahren auf 15 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Frankreichs ökologische Landwirtschaft betrieben wird. Oder ein bedenkenloser Übergang vom Bauernhof auf den Teller. Na los, zurück in die Küche!  

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