Grünes Frankreich: Tausche Unterkunft im Grünen gegen helfende Hand

Von Jill Cousin

WWOOFing ist ganz groß im Kommen, vor allem in Frankreich. Das 1971 gegründete Netzwerk vermittelt Kontakte zwischen biologischen Landwirtschaftsbetrieben auf der ganzen Welt und Menschen, die daran interessiert sind, am praktischen Beispiel mehr über Bio-Farming zu erfahren. Ein Erfahrungsbericht.

A green experience in return for a helping hand in the fields

Vor einiger Zeit habe ich ein Jahr auf einer Permakultur-Farm am Ärmelkanal verbracht. Ich jonglierte damals zwischen Journalismus und landwirtschaftlicher Tätigkeit. Regelmäßig erschienen neue WWOOFer, die gewillt waren, Hand anzulegen. Es begann mit einer kleinen Revolution … 1971 beschloss eine junge Londonerin, die sich nach Landluft sehnte, an Wochenenden auf den Höfen engagierter Bio-Bauern tatkräftig mit anzupacken. In einer Zeitung veröffentlichte sie eine Anzeige mit dem Titel Wochenendarbeit auf Bio-Farmen. Es kamen Dutzende von Antworten und das WWOOFing oder World-Wide Opportunities on Organic Farms, (weltweites Netzwerk für freiwillige Helfer und Helferinnen auf biologischen Bauernhöfen) war geboren. Dank der Internetplattform breitete sich die Bewegung nach und nach in aller Welt aus. WWOOF Frankreich wurde 2007 gegründet.

Gemäß der WWOOF-Charta helfen WWOOFer ihren Gastgebern halbtags fünf Tage pro Woche. Die WWOOFer auf unserem Hof in der Normandie – hauptsächlich junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren – griffen uns bei den verschiedenen Aktivitäten des Gemüsefarm-Alltags unter die Arme: Aussaat von Gemüse und Kräutern, Auspflanzen ins Freiland zur Reife, Unkrautjäten, Ernte … Auch zum Wochenendmarkt begleiteten sie uns. Je nach Hof werden die Mahlzeiten häufig gemeinschaftlich (aus Produkten des Hofes) zubereitet und eingenommen. Diese zusammen verbrachten Momente sind eine willkommene Gelegenheit, um sich besser kennenzulernen und sich über die Praktiken des jeweiligen Hofes und den ökologischen Landbau im Allgemeinen auszutauschen … Ihre „Freizeit“ verbrachten unsere Gäste an den umliegenden Stränden oder mit Sightseeing in der Region. Denn so sieht es die Charta der Bewegung vor: „WWOOFer sind keine Angestellten und unterliegen keinerlei Kriterien wie Rentabilität und/oder Unterordnung. Sie werden nur gelegentlich und vorübergehend empfangen: Sie dürfen keine Mitarbeiter ersetzen.“ Ein Austausch von Gefälligkeiten also, von dem beide Seiten gleichermaßen profitieren.

Heute gibt es in Frankreich rund 2.500 Gastgeber mit fast ebenso vielen landwirtschaftlichen Aktivitäten. Auf ihrem Hof Domaine de Lorient in der südfranzösischen Ardèche bieten Laure Colombo und Dimitri Roulleau-Gallais den WWOOFern in ihrem Weinbaubetrieb die Mithilfe bei der Bestellung ihres Weinbergs, der Pflege des Gemüsegartens und der Zucht von Jersey-Rindern an. Im „wilden Garten“ von Sacha Guégan in der Bretagne erwarten die Gäste Dutzende Aroma- und Heilpflanzen (Rosen, Thymian, Lavendel, Kamille …), die gehegt und gepflegt sein wollen und anschließend zu hausgemachten Kräutertees, Ölen und Essigen verarbeitet werden. Ebenso verhält es sich in Japan. Auf der Insel Hokkaido finden WWOOFer auf der Blumen- und Gemüsefarm der Stadt Biei-cho Unterkunft, die regelmäßig Bedarf an Farmhelfern hat. Auf dem Bauernhof El Bosque in Wayra im Nordosten Spaniens helfen die WWOOFer im eineinhalb Hektar großen Familienbetrieb bei der Pflege des Gemüsegartens, der Zubereitung von Sauerteigbrot und dem Schnitt der Blumen des Ziergartens. Schlummert auch in dir ein zukünftiger WWOOFer?

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