Château Brandeau - Castillon-Côtes-de-Bordeaux
FEATURE

In Bordeaux tut sich einiges!

Pierrick Jegu von Pierrick Jegu, Autor 25.04.2022

Der Weinbau in der Gironde ist durchaus offen für Veränderungen: Seit einigen Jahren erhält er durch die Entwicklung von nachhaltigen, vorbildlichen Praktiken sowie das Aufkommen von „kleinen“, vielversprechenden AOCs eine neue Dynamik. Ein Beispiel dafür ist das Château Brandeau aus dem Herkunftsgebiet Castillon-Côtes-de-Bordeaux. 

Unwahre Klischees 

Es gibt Wahrheiten, die man ruhig laut verkünden kann. Nehmen wir zum Beispiel die Region um Bordeaux. Erstens: Die berühmtesten Weingüter der Vorzeige-Anbaugebiete im Médoc oder in Saint-Émilion sind eher die Ausnahme als die Regel. Sie sind zwar ein schmeichelhaftes Aushängeschild, produzieren jedoch nur rund 1 Prozent der Weine der Region. Zweitens: Weit entfernt von den Star-Cuvées, deren Preise manchmal astronomische Höhen erreichen, produzieren Tausende von Weingütern Weine, deren Preise in Frankreich zwischen 5 und 25 Euro liegen. Drittens: Immer mehr Winzer aus der Region um Bordeaux setzen auf einen biologisch-natürlichen Ansatz. Im Gegensatz zur landläufigen Vorstellung gibt es in diesem Weinbaugebiet also nicht nur renommierte Schlösser, Grands Crus, extrem teure Weine und konventionellen Weinbau ... 

Château Brandeau - Castillon-Côtes-de-Bordeaux
  • ©LOUIS-LAURENT GRANDADAM

    Die AOC Castillon-Côtes-de-Bordeaux 

    Einen Beweis dafür liefert unter anderem das rechte Ufer und das Anbaugebiet der AOC Castillon-Côtes-de-Bordeaux. Die Herkunftsbezeichnung ist zwar nicht so berühmt wie Margaux, Pomerol oder Sauternes, macht sich seit einigen Jahrgängen jedoch einen Namen als eine der dynamischsten und spannendsten Appellationen der Region. Das Anbaugebiet, das an Saint-Émilion angrenzt und zum größten Teil nach Süden ausgerichtet ist, bietet drei Typen von hervorragenden Terroirs: Kiesböden direkt am Flusslauf der Dordogne, Lehmböden am Fuß der Hänge und Lehm-Kalk-Böden oder reine Kalkböden auf den höchsten Plateaus. Im Kielwasser einiger Vorreiter des biologischen und biodynamischen Anbaus wie Thierry Valette haben sich hier in der letzten Zeit junge Winzer mit demselben Esprit niedergelassen. Das Ergebnis? Mittlerweile betreiben fast 25 Prozent der Weingüter biologischen oder biodynamischen Anbau. Das ist sehr viel mehr als der Durchschnitt in der Gironde oder in Frankreich! 

    All change in Bordeaux!
  • ©LOUIS-LAURENT GRANDADAM

    Das Beispiel Château Brandeau 

    In Les Salles-de-Castillon müssen sich die Reben die hügelige Landschaft mit Wäldern, Feuchtgebieten oder auch Weiden teilen. Julien Voogt ist hier wie zu Hause, obwohl er nicht aus der Gegend stammt. Der Sohn belgischer Gastronomen stellte früher in Marokko, in Neuseeland und sogar in Quebec Wein her und arbeitete in anderen Weingütern der Region, ehe er sich selbstständig machte. Er hat weder ein großes Gut geerbt, noch ist er ein reicher Investor – er ist ganz einfach Winzer. Der biologische Anbau war für ihn selbstverständlich. Darüber hinaus verwendet er auch einige Praktiken aus der Biodynamik und pflügt seine Parzellen manchmal mit dem Pferd ... Er versucht vor allem, bekömmliche Weine abzufüllen, die nahe am Terroir und der Frucht sind und weit entfernt von allem, was mit Technologie, Effekthascherei und übermäßiger Holzigkeit zu tun hat. Selbst die Namen seiner Cuvées – Banzaï, Gas Gas oder Joue Franc Jeu – und das Design seiner Etiketten stehen im Kontrast zu dem Klassizismus der Region. Dies gilt ebenfalls für den sehr vernünftigen Preis (maximal 15 Euro in Frankreich). Kurzum: Julien Voogt und seine Weine sind der lebende Beweis dafür, dass es in der Region um Bordeaux möglich ist, sehr gute, natürliche und nicht teure Weine zu produzieren, in AOCs, die voller Vitalität stecken. Und er ist nicht der Einzige! Der Weinbau in der Gironde entwickelt sich ohne Zweifel und beginnt diejenigen, die schlecht über ihn reden, Lügen zu strafen. Man darf also gespannt sein ... 

    Château Brandeau - Castillon-Côtes-de-Bordeaux
  • ©LOUIS-LAURENT GRANDADAM

    Die Auswahl von Taste France Magazine 

    Château Brandeau - Castillon-Côtes-de-Bordeaux – "Banzaï" 2020 
    Manchmal ist ein Merlot etwas zu kraftvoll, zu reif und zu süß. Nicht aber hier. Ohne übertriebene Fruchtigkeit oder Opulenz erfüllt dieser flüssige, sehr frische Wein seinen Auftrag perfekt. 

     

    Château Brandeau - Castillon-Côtes-de-Bordeaux - 2019 
    Mit dieser Cuvée gelingt Julien Voogt ein schönes Kunststück: den „Ernst“ einer gewissen Tradition der Weinbauregion Bordeaux und die unmittelbare Köstlichkeit von Naturweinen miteinander zu vereinen. Perfekt für einen ausgedehnten Aperitif mit Freunden oder für das Sonntagsessen mit der Familie.  

     

    Château Brandeau - Castillon-Côtes-de-Bordeaux – "Franc Jeu" 2021 
    Dieser in Amphoren vinifizierte, süffige Wein der Rebsorte Cabernet Franc ist mit einer strahlenden Fruchtigkeit, der angenehmen Textur und dem herrlich salzigen Abgang sehr gut trinkbar.

     

    Sahne
    Sahne
    Schwarze Oliven aus Nyons AOP
    Schwarze Oliven aus Nyons AOP