Neugierde und Offenheit: perfekte Begleiter des Wein-Genusses – Wein-Botschafterin Valentine Mühlberger im Interview

Von Nikolai Wojtko

Als Tochter einer Französin und eines Franken wird einem der Bezug zum Genuss ja direkt in die Wiege gelegt. Doch Genuss kann mehr sein als bloßes kulturelles Erbe. Denn wenn man selbst an ihm arbeitet, kann er viel schöner werden: Ein Ansporn, das Wissen um den Genuss und damit den Genuss selbst zu mehren. Im Fall von Valentine Mühlberger führt der Genuss zugleich dazu, den französischen Wurzeln zu folgen und für vinophile Furore zu sorgen.

Valentine Mühlberger - Bar Rix

Wie mit ihrem Weinwissen, dass sie in ihrer Bar Rix in der Kölner Innenstadt mit leichter Hand und viel Geschmack im Glas in puren Genuss verwandelt. Sehr zur Freude ihrer Gäste. Kein Wunder, das man nicht nur gerne wieder bei ihr einkehrt, sondern von Ihrer leichten Art immer wieder genussvoll berührt wird. Der Erfolg der Bar kam nicht zufällig, er ist Ergebnis praktischer Arbeit an unterschiedlichen Stellen zum Thema Wein und Genuss. Wir treffen die Weinakademikerin und leidenschaftliche Gastgeberin in ihrer gut besuchten, quirligen Wein Bar.

Deine Bar Rix ist eine wirklich gemütliche Wein-Bar. Atomsphäre, Licht, Leben. Alles passt zusammen und spielt ineinander. Eine schöne Grundlage, um gute Weine zu genießen. Wie bist du zu Wein und zu deiner Bar gekommen?

Nun, das eine hat mit meiner Familie zu tun und ist also kein Zufall: Meine Eltern trinken gerne Wein und sie haben gerne im Kreis ihrer Familie die Urlaube in Frankreich verbracht. Meine Großmutter stammt aus Paris, mein Großvater aus der Auvergne und ein Teil der Familie lebt in der Bretagne. Also haben wir an diesen Spots immer Urlaub gemacht und da wurde ich natürlich automatisch zum Thema Wein sozialisiert. Das andere ist die Weinbar: Die ist mir wirklich zufällig begegnet. Nun, vielleicht nicht ganz zufällig, denn ich war auf der Suche nach einer passenden Location. Aber dies war doch ein außerordentlicher Zufall, denn hier stimmte schon auf den ersten Blick so viel, dass ich beschloss, meinen bis dahin eher vagen Traum von einer Weinbar mitten in Köln tatsächlich in die Tat umzusetzen.

 

Was bedeutet Wein für dich?

Natürlicher Genuss. Wein ist ein kulturelles Produkt. Er erzählt viel über die Landstriche und Regionen, aus denen er stammt. Er erzählt vom Klima des Jahres. In guten Fällen kann man die Handschrift der Winzerinnen und Winzer am Geschmack erkennen, denn sie vermögen es, das Wesentliche aus einer Frucht herausholen. Und dann ist es erfreulich, wie genüsslich Wein sein kann. Ein guter Wein ist unglaublich bewegend. Es ist immer wieder erstaunlich, wie inspirierend ein guter Wein sein kann. Für mich persönlich viel inspirierender als selbst gutes Essen, denn ein wirklich großartiger Weingenuss bleibt mir länger in Erinnerung.

 

Du bist Weinakademikerin. Ist Wein für dich eher etwas akademisch Theoretisches, oder doch etwas praktisch Genussvolles?

Wein hat viele Facetten. Für mich steht dabei der Genuss im Vordergrund und vielleicht sollte ich hier eine ganz persönliche Erfahrung beschreiben, die für mich den Anfang meiner persönlichen Wein-Faszination gebildet hat, zu dieser Zeit hatte ich schon viele Wein kennen gelernt, aber bei einer Weinprobe in Beaune habe ich wirklich mal durch einen Wein einen regelrechten Flash gehabt. Es war, als würde mir ein wahrer Geschmacks-Blitz durch die Glieder fahren. Unwillkürlich dachte ich: Wow! Guter Wein kann echt grandios sein. Unmittelbar! Belebend! Mit diesem Glas hat sich für mich ein komplett neuer Horizont eröffnet. Denn da habe ich gemerkt, was Wein emotional mit dir machen kann, wenn du dich darauf einlässt und wenn du einen für dich wirklich großartigen Wein probieren kannst. Doch neben dem Geschmack, gibt es ja noch andere Dinge beim Wein, die ich überaus ästhetisch finden: Die schöne Weinflasche, das schöne Glas, aber auch die Momente, wenn der Rotwein vergärt. Der Geruch des Holz der Eichenfässern. Die Farbe des Weins, die beinahe ins Violette geht. Und schon der Wuchs der Reben…irgendwie ist alles, was mit Wein zusammenhängt, ästhetisch, man muss lediglich seinen Blick schärfen. Und natürlich setzt sich diese Art der Ästhetik auch am Tisch fort. Der Genuss von Essen und Wein kann sich gegenseitig unterstützen und einen dritten Genuss das perfekte Pairing beim Zusammenspiel von Wein und Speisen hervorbringen. Fast immer, wenn ich eine schöne Flasche Wein aufmache, geht das mit Essen einher. Das macht mich und das macht meine Gäste glücklich.

© Nikolai Wojtko

Du bist nicht nur Weinakademikerin, sondern auch gefragte Weinexpertin. Besonders haben es dir dabei die Weine aus allen französischen Anbaugebieten angetan. Warum?

Nun, dies hat natürlich etwas mit der Qualität dieser Weine zu tun, besonders aber auch mit meiner Biografie. Meine Mutter kam aus Paris und lernte meinen Vater in München kennen. Sie verliebten sich, kamen zusammen und gemeinsam zogen sie nach Marburg, wo ich auch geboren worden bin. Ich bin ganz selbstverständlich zweisprachig erzogen worden und unsere Urlaube haben wir bei Verwandten in Frankreich verbracht. Auch, wenn ich in Marburg groß geworden bin, gab es also immer den Bezug zu Frankreich. Wein gab es bei meinen Eltern ganz normal und alltäglich zum Essen, aber es waren eher Alltagsweine. Die Beschäftigung mit Wein hat bei mir erst später, nach einigen Umwegen angefangen. Und ich glaube, das war für mich genau richtig. Denn Umwege bringen einen dazu, sich irgendwann über bestimmte Dinge klar zu werden, zu erkennen, was man wirklich möchte und das geht nur, wenn man merkt, dass man noch nicht an diesem Punkt ist und ihn für sich definieren muss.

Bei mir stand zunächst im Vordergrund etwas Solides zu studieren. Also habe ich ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Kiel begonnen, um auf dieser Grundlage später auch im Ausland arbeiten zu können. Ich wechselte nach Bayreuth, um dann hier in Köln meinen Abschluss zu machen. Meinen ersten Job hatte ich dann in einer IT-Gesellschaft in Berlin. In dieser Zeit aber reifte meine Idee, einige Zeit nach Frankreich zu gehen, um zu verstehen, wie man gute Weine produziert. Ich habe mich in einem Weingut im Bordeaux beworben und hatte Glück. Denn zu dieser Zeit arbeitete Stéphane Derenoncourt dort und hat mich sofort mit seiner Leidenschaft für biologische Weine begeistert. Das hat sich bis heute fortgesetzt. Da ich ja in meiner Weinbar selbst aussuchen kann, welche Weine ich meinen Gästen anbiete, dürfen sie sich immer über biologisch erzeugte Weine freuen. Denn wenn dich einmal die Leidenschaft für diese Art der Weinerzeugung in all seinen Facetten gepackt hat, lässt sie dich nicht mehr los und natürlich möchte ich meine Gäste durch den unvergleichlichen Geschmack meiner Weine überzeugen.

© Nikolai Wojtko

Was macht das Besondere an deiner Weinbar aus?

Da musst du am besten meine Gäste fragen, denn viele sind vom einfach mal Vorbeischauen zu Stammgästen geworden, die gerne wieder kommen. Ich mag das Ambiente und die Stimmung hier sehr gerne. Dazu kommt die Abwechslung. Ich liste ja etwa 300 Weine auf meiner Karte. In erster Linie achte ich auf die Mischung von traditionellen, klassischen und neuen Weinen, oder Weinen aus Ländern, wie Georgien oder Griechenland, die man vielleicht nicht so auf dem Schirm hat, wenn es um gute Weine geht. Dazu mache ich die Weinproben, weil es mir Spaß macht, den Menschen die Anbaugebiete in der Tiefe zu erklären. Und dann versuche ich auch auf die Geschichte und die Geschichten rund um die Weine einzugehen. Welche Rebsorten stehen wo in Europa und wie unterscheiden die sich, spielerisches Herangehensweise um das Wissen meiner Teilnehmer zu vertiefen, oder zu wecken. Denn es geht ja auch darum, meinen Gästen, wenn sie es wollen, neue Geschmacks-Horizonte zu eröffnen. Und diese Horizonte finden sich nicht nur in unbekannten Wein-Gegenden, sondern auch in unbekannten Qualitätsebenen, da greife ich dann eben gerne auf Weine aus Frankreich zurück. Wein regt ja zum Reden an und über die Weine Frankreichs kann ich eine Menge spannender Dinge erzählen, oder eben auch schweigen, um sie im richtigen Moment selbst im Glas und am Gaumen sprechen zu lassen.

 

Was zeichnet einen guten Wein aus?

Die Ausgewogenheit und Harmonie. Aromen, Gerbstoffe und Säuren müssen vorhanden sein und in eine nachvollziehbares Zusammenspiel treten. Ist der Wein ruhig, oder strahlt er Kraft aus? Wie entsteht hier eine Harmonie? Das ist meiner Meinung nach die Kunst und das macht den Weingenuss aus.

 

Was sollte man über Weine wissen?

Nichts. Man soll nur aufgeschlossen sein. Das ist das Wichtigste. Wenn man aufgeschlossen ist, erzählt Wein eine Menge. Wein möchte manches Mal dazu anregen, sich auf ihn einzulassen, ihn mit allen Sinnen zu genießen, aber er soll ja auch ein Begleiter bei Tisch sein, sei es zum Essen oder zum Gespräch. Und es ist schön, wenn Gäste meine Meinung hören wollen, wenn sie sich Empfehlungen geben lassen und wir gemeinsam erkunden, wohin die Weinreise uns an diesem Abend führen wird. Und es ist die Offenheit und Neugierde, die am Anfang für schönen Weingenuss steht.

 

© Nikolai Wojtko

Valentines Weinempfehlungen für die kommenden langen Winterabende:

Chateau de Champ des Treilles Bordeaux 2016 Le Petit Champ
Hier findet man diese perfekte Reife und Ausgewogenheit des Superjahrgangs 2016: Schöne Frucht, dunkle, Pflaume, Cassis. Zugleich fantastisch eingebaute Holzaromatik. Die Gerbstoffe haben eine reife, schöne Struktur. Ein Wein voller Kraft. Die Winzer lieben ihre Weinberge, arbeiten biodynamisch. Dieser Wein ist in dieser Preisklasse ein absolutes Thema. Die Qualität ist grandios. Ein kleiner Bordeaux, der zeigt, wie grandios dieses Anbaugebiet ist.

Aléfane Crozes Hermitage 2019
Für mich ist dieser Wein der absolut reine Ausdruck von Syrah: Brombeere in vollmundiger Art, zugleich aber überraschende Frische und Leichtigkeit. Würzige Aromatik, schwarzer Pfeffer, Lakritze. Trotz seiner vielschichtigen Aromatik ein sehr zugänglicher, offener Wein. Der perfekter Begleiter für die kalte Jahreszeit.

Les Laquets Cahors 2018
Die Weine des Cahors gilt es zu entdecken. Hier finden wir Kalkböden, ähnlich dem Burgund und die Weine ais dem Cahors können ähnlich vielschichtig sein. Dieser Wein ist eine Einladung zur Entdeckung, denn er besitzt Strahlkraft und verblüfft durch seine Klarheit. Ein Wein der sehr dunkel im Glas ist: Schwarzkirsche, Pflaume, Brombeere. Gradlinig, lang anhaltend am Gaumen. Es sind die sehr feinkörnigen Gerbstoffe, die dem Wein Eleganz verleihen. Perfekt für Liebhaber von strukturierten Weinen.

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Nikolai Wojtko
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