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Blau-Weiß, Bier und Brezn – Oktoberfest zwischen München und Marseille

Sandy Neumann von Sandy Neumann, Bloggerin 06.10.2021
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„Was ist denn hier los!?“ Ich kann es nicht fassen, überall ziehen sich blau-weiße Wimpel von einer Ecke zur anderen. Der Verkaufsraum ist fast nicht zu durchblicken. Wo sonst die katalanischen Farben rot und gelb der Rugby-Mannschaften von Perpignan dominieren, Girlanden in blau-weißen Rauten im Überfluss. Bayern lässt grüßen. Was ist hier passiert? In unserem Bierverkauf des Vertrauens.

Nur wenig Kulinarisches vermisse ich in Frankreich, aber ein kräftig-herbes Bier gehört dazu. Umso glücklicher waren wir als unser Nachbar Michel eines Tages mit zwei Flaschen aus Norddeutschland vor uns steht. 

„Woher ist das denn?!“ Der Gatte glaubt auch zu träumen. 

„Na, wir haben hier auch Bier. Sogar welches, das schmeckt!“ Er grinst sich eins und lässt mit dem Feuerzeug bereits einen Kronkorken von der Flasche springen. Herrlich fließt das bittere Getränk kühlend durch die Kehle. 

„Bier wird hier immer beliebter. Es gibt reichlich kleine Brasserien, kleine Brauereien, die sehr gute Biere brauen. Wenn ihr eine große Auswahl sucht, von hier und aus eurer Heimat, dann ab nach Perpignan.“

Es dauert nicht lange und wir werden in der Boutique mit angeschlossener Bar in Perpignan sehr freundschaftlich begrüßt. Der Gatte kauft regelmäßig ein paar Flaschen deutsches Bier. 

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  • Ich raschele durch die Girlanden in Richtung Bar. Darüber leuchtet es ebenfalls, rote Schrift auf blau-weißen Rauten - Oktoberfest. Der Zapfhahn darunter verheißt das Festbier zur deutschen Tradition aus München. 

    „Oktoberfest, wirklich?! Interessiert das hier jemanden?“ Fragend gucke ich den Verkäufer an, der irgendwie noch besser nach Irland passen würde mit seinem roten Rauschebart. Vor der Kasse kündet noch mehr Bayrisches vom Herbstfest. Mehrere Reihen Maßkrüge glänzen, dazwischen Unmengen Flaschen der Brauereien aus München. 

    „Wir haben auch Wurst und Brezel. Naja, die Wurst ist von hier aus der Gegend, die anderen bekommen wir nicht.“  Er zeigt hinter sich und ich sehe zwanzig Saucisson sec, getrocknete Wurst, in der Vitrine hängen. Ich muss in mich hineingrinsen, es hört sich so lustig an, wie er Wurst und Brezel ausspricht. Kurz überlege ich, ob ich ihm sage, dass es Brezn heißt, aber wie wichtig ist das schon. 

    „Aber das Bier ist ganz echt. Mögt ihr ein frisch Gezapftes?“ 

    Wenige Augenblicke später stehen zwei eiskalte kleine Gläser Oktoberfestbier auf dem Tisch, dazu Oliven und einige Scheiben der Saucisson sec. Der rote Rauschebart kehrt zu uns zurück. 

    „In Paris und Marseille ist das Oktoberfest fast schon eine Tradition, mit einem riesigen Zelt, lange Tische und Bänken darin. Die  Frauen tragen so ein Kleid, mit viel…“ Seine Wangen röten sich leicht und ich schenke ihm ein kurzes „Ich weiß schon…Dirndl…“

    „Sogar bayrische Musiker kommen und geben ein Konzert und dann wird auf den Tischen getanzt. Es gibt gegrilltes Hühnchen und so einen Käse, fast wie Frischkäse und Camembert.“ Er versucht sich am Wort Obazda und ich helfe schnell aus. 

    „Wie in München, oder?!“ 

    Ich verrate ihm nicht, dass ich nie dort war zur Wiesn sondern nehme meine Frage nochmal auf. 

    „Kommen Leute, die das interessiert?“ 

    „Ja, natürlich wegen dem guten Bier. Deutsches Bier, besonders das Oktoberfestbier, ist total beliebt. Unsere Auswahl an Bier ist generell riesig. Viele junge Leute trinken gern Bier. Nach Feierabend, zum Apéritif, trifft man sich immer öfter einmal zu einem Glas frisch gezapftem Bier. “ Er lässt seinen Arm ausgestreckt über das Sortiment kreisen. Das Angebot ist wirklich enorm.

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  • „Das dauert nicht lange, dann haben wir alles verkauft. Kleine Fässer für zu Hause, die Flaschen und die Maßkrüge sowieso.“ 

    Er drückt uns zwei Bierdeckel in die Hand und ein Fähnchen in blau-weiß zu unseren Einkäufen dazu. 

    „Prost!“

    Sahne
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    Cantal AOP
    Cantal AOP