Weingenuss baut Brücken - Kulturbotschafterin und Sommeliere: Christine Balais im Gespräch
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Weingenuss baut Brücken - Kulturbotschafterin und Sommeliere: Christine Balais im Gespräch

Nikolai Wojtko von Nikolai Wojtko, Redakteur/Autor 20.04.2022
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Früh hegt die gebürtige Bretonin ihren Traum von Reisen. Mit 13 Jahren lernt sie auf einem Schüleraustausch Bayern kennen. Mit 16 Jahren reist sie als Au-Pair nach Sigmaringen, um im Jahr darauf erneut zu kommen. Sie fühlt sich zu Deutschland und seinen Menschen hingezogen. Wäre da nicht diese verdammt schwierige Sprache. Doch was für andere eine Barriere darstellt, ist für Christine Balais Ansporn. Sie will Deutsch lernen, um sich im Land rundum wohlzufühlen. Und wer sich heute mit ihr unterhält, stellt fest wie perfekt ihr das gelungen ist. Rundum. Wir treffen uns in der Kölner Wine Bank – einem spannenden Hybrid zwischen privaten und öffentlichen Weinkeller – zum Gespräch.

Nikolai Wojtko: „Frau Balais, wann haben Sie sich entschieden nach Deutschland zu gehen?“

Christine Balais: „Ich war 19 Jahre als, als ich die Möglichkeit erhielt, in einem sehr schönen Hotel im Harz ein Praktikum zu absolvieren. Das war für mich der perfekte Startschuss, denn so konnte ich neben einem Beruf auch die für mich schwerste Sprache der Welt lernen. Und ich hatte mir sagen lassen, ich solle in Deutsch möglichst in der Gegend von Hannover lernen, da man hier keinen Dialekt, sondern Hochdeutsch spricht. Während des Praktikums hat man mir eine Stelle angeboten. Es war mein Glück, denn wenig später habe ich auch meinen zukünftigen Mann kennen gelernt, der dort als Koch tätig war. Gemeinsam eröffneten wir unser eigenes Restaurant. Wir haben damals schon großen Wert auf frische Lebensmittel aus der Region gelegt. Aber ein solches Konzept, war zu der Zeit schwierig umzusetzen, besonders im Norden von Deutschland, wo eher auf den Preis eines Gerichts, als auf die Qualität geachtet wurde. Nach einer Zwischenstation in Aachen kamen wir dann 1990 nach Heidelberg und in das kulinarische Paradies der Kurpfalz.“

Nikolai Wojtko: „Wie aber sind Sie zum Wein gekommen?“

Christine Balais: „Hier in Deutschland ist mir erst aufgefallen, was für ein Glück ich hatte, in Frankreich aufgewachsen zu sein. Denn Wein war für mich eine Selbstverständlichkeit. Am Sonntag hat mein Vater den Wein für das Sonntagsessen im Keller ausgesucht und wir durften, wenn wir wollten, daran riechen und ihn probieren. Mit meinen Großeltern besuchten wir regelmäßig Restaurants. Ich erinnere mich, wie wir unterschiedliche Weine von der Rhone probieren konnten, da hat mir der Holzeinschlag sehr gut gefallen. So habe ich nebenbei gelernt, dass die Beschäftigung mit Wein zu einem guten Essen gehört. Es ist in Frankreich ganz wichtig, dass man nicht einfach etwas trinkt. Der Wein gehört zum Essen und auch zu einem Aperitif wird immer etwas zu essen gereicht. Wenn man so möchte, beginnt das Menü also schon mit dem ersten Glas Champagner.“

NW: „Und wie entwickelte sich aus der aufkeimenden Leidenschaft eine Profession?“

CB: „Wein war zunächst eher mein Hobby, aber ich verspürte den Wunsch, mehr zu lernen. Ich wollte in die Weinanbaugebiete reisen, um die Winzer im persönlichen Gespräch kennen zu lernen. Denn natürlich braucht man diesen Austausch, um zu verstehen, was die Besonderheiten der unterschiedlichen Weinlagen sind, wie sie arbeiten, welchen Charakter sie ihren Weinen geben. Dann hörte ich von der Sommelierausbildung in Frankfurt. Von Heidelberg aus konnte man Frankfurt gut erreichen, so absolvierte ich den berufsbegleitenden Lehrgang, der von der IHK angeboten wurde. Wir hatten hervorragende Dozenten und erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass ich Glück hatte, denn dies war der erste Lehrgang, in dem auch Frauen ausgebildet wurden. Wir waren damals mit sieben Frauen in einem Kurs von 14 Teilnehmern und so wurden wir zu den ersten ausgebildeten Sommelièren. Mittlerweile gibt es zahlreiche topp ausgebildete Sommelièren in Deutschland, eine schöne Sache. Mit absolvierter Ausbildung wuchs dann auch im Restaurant mein Verantwortungsbereich.“

NW: „Fehlte da nicht die Zeit, um Erfahrungen bei den Winzern vor Ort zu sammeln?“

CB: „Ja, ich hatte nun eine tägliche Routine und keine Freizeit mehr. Ich konnte keine Reisen zu Winzern planen und fühlte, dass ich etwas verändern müsste. 1998 eröffnete sich für mich die Gelegenheit, von Köln aus als Sommelière zu arbeiten. Auf einmal konnte ich mein ehemaliges Hobby professionell ausüben. In Köln lernte ich Christine Fischer kennen und sie begeisterte mich dazu Weinreisen und Weinevents zu organisieren und durchzuführen. Ich merkte schnell, wie viel Spaß mir diese Arbeit macht und ganz nebenbei konnte ich auch den Nachwuchs fördern, eine Aufgabe, die mir ans Herz gewachsen ist.“

NW: „Das war also Ende der 90er Jahre, wie sah die Weinwelt damals aus?“

CB: „Es war die Zeit, in der Bewegung in die Weinwelt kam. Die Winzer fragten sich, wie sie ihre Weine besser machen könnten, es gab erste Experimente mit Barrique, das sind spezielle Fässer, deren Eichenholz den Weinen eine unnachahmliche Aromatik verleihen. Und wenn man seine Weine in Barrique ausbaut, muss man auf Qualität setzen, genau das war der Weg, den viele Winzer beschreiten wollten. Das war wunderbar, weil alle Spaß daran hatten, die Qualität der Weine zu verbessern.“

Weingenuss baut Brücken - Kulturbotschafterin und Sommeliere: Christine Balais im Gespräch
  • ©Nikolai Wojtko

    Auch einfache Weine sollen gut schmecken

    NW: „Betrifft die Qualitätsverbesserung dann ausschließlich hochpreisige Weine?“

    CB: „Eine Steigerung der Qualität erstreckt sich über alle Weine eines Weingutes. Die Einstiegsweine wirken ja wie die Visitenkarte eines Winzers, sie müssen also schon überzeugen. Als Französin trinke ich gerne jeden Tag Wein und auch einfache Weine sollen gut schmecken und qualitativ hochwertig sein, denn ich möchte die Weine genießen, nicht aber Kopfschmerzen bekommen. Einher ging die Überlegung vieler Winzer, auf Pestizide weitgehen verzichten zu wollen. Das war damals noch nicht der Trend, aber der Anfang.“

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  • ©Nikolai Wojtko

    Wein verbindet – über Grenzen hinweg

    NW: „Worauf achten Sie bei der Nachwuchsausbildung?“

    CB: „Als ich mich in Köln etabliert habe, kam die Anfrage von der Sommelierschule in Koblenz, ob ich nicht als Dozentin arbeiten wolle. Dies war ein sehr spannendes Angebot, das ich gerne angenommen habe. Später habe ich dann dort als Dozentin über französische Weine unterrichtet. Und selbstverständlich muss ich dabei für die entsprechende Basis sorgen, allerdings in kurzer Zeit. Wie schafft man das auf eine Weise, die für die Schüler eher anregend als anstrengend ist? Das gelingt nur, wenn die Teilnehmer Lust auf Frankreich und französische Weine vermittelt bekommen. Wenn ich also von französischen Weinen spreche, muss ich das Wissen dazu in einen Kontext setzen, Geschichten über die Winzer, die Regionen, aber auch über den historischen Kontext erzählen. So wird Wissen anschaulich und lebendig. Und natürlich gibt es viele historische Gemeinsamkeiten zwischen Frankreich und Deutschland, über alle Sprachgrenzen hinweg. Wir haben nicht nur Karl den Großen gemeinsam, sondern auch unsere Weinkultur. Durch den komplexen du komprimierten Unterricht habe ich viele junge Weinliebhaber von meiner Begeisterung für deutsche und französische Weine angesteckt. Wein verbindet – über Grenzen hinweg. Und selbstverständlich muss man als professioneller Weinliebhaber in die Weinanbaugebiete fahren, um ein Gefühl für das Klima, die Weinberge, die Winzer und das Land zu bekommen. Das Terroir spielt eine große Rolle, aber das muss man mit allen Sinnen begreifen. Erst dann kann man sein Wissen um die Aromen im Weinglas an seine Gäste sinnvoll weitergeben und sie mit der eigenen Begeisterung anstecken.“

    NW: „Welche Weine gilt es im Moment neu zu entdecken?“

    CB: „Es gibt gerade unglaublich ansprechende Silvaner. So, wie sie im Moment in Rheinhessen oder in Franken ausgebaut werden, eignen sie sich hervorragend zum Pairing. Nicht zu viel Frucht, aber grasige Noten, gute Struktur und Körper, das passt sehr gut zu Meeresfrüchten, Austern, zu Gemüsen, eine großartige Sache. Auf der anderen Seite gilt es die französischen Chenin Blanc zu entdecken, da gibt es zahlreiche angenehme Überraschungen im Glas.“

    Verwendete Links:
    http://www.balais.de
    https://www.winebank.de/clubs/koeln

    Tabasco
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    Olivenöl „Vallée des Baux-de-Provence“ (AOP)
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